Wie arbeiten Rating-Agenturen?

Gepostet von Newsreporter am Sep 17, 2011 in Finanzen

Ratingagenturen auf dem EuromarktRatingagenturen sorgten in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen. Sei es der Vorwurf, bedeutender Mitauslöser der Finanzkrise zu sein, oder die Herabstufung der Euro-Schuldenländer oder kürzlich auch der USA. Ein guter Grund, sich damit zu befassen, was Ratingagenturen sind und wie sie arbeiten.

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen prüfen die Bonität der verschiedenen Regierungen oder Unternehmen. Sie bewerten also, wie wahrscheinlich es ist, dass diese ihre Schulden nicht zurückzahlen können. Auftraggeber hierfür können sowohl zukünftige Kreditgeber als auch das Unternehmen sein. Um die Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten zu ermitteln, werden unter anderem öffentliche Daten zurate gezogen. Doch auch Beurteilungen des Managements und Brancheneinschätzung werden von den Ratingagenturen durchgeführt. In den meisten Fällen werden auch Interna des zu bewertenden Kreditnehmer bzw. Emittenten herangezogen. Die tatsächlichen Kriterien sind jedoch zumeist ein gut gehütetes Geheimnis der einzelnen Agenturen. Dennoch ergibt sich aus ihnen dann die Einschätzung der Kreditwürdigkeit, die in Noten (Ratingcodes) dargestellt wird. AAA bedeutet beispielsweise die bestmögliche Bewertung. D bedeutet hingegen keine Bonität und Zahlungsverzug. Ratingagenturen sehen sich in letzter Zeit vermehrt Kritik ausgesetzt. Gerade da die Analyse nicht vollständig offen gelegt wird, geht aus ihr nicht klar hervor, welcher Teil Mathematik ist, also auf harten Fakten beruht, und welcher Teil Meinung der dort arbeitenden Wirtschaftsexperten ist. Dass die Einschätzung auch eklatante Fehler aufweisen kann, zeigte sich während der Finanzkrise, da zahlreiche Wertpapiere die gute Einschätzung der Ratingagenturen nicht bestätigen konnten. Der Verlust von Einzelpersonen, Unternehmen und Banken war teilweise immens, obwohl verschiedene Papiere von den großen Agenturen als sichere Geldanlage eingestuft wurden. Da durch die Ratingagenturen mitentschieden wird, ob und zu welchen Konditionen ein Kredit vergeben wird, ist es teilweise fragwürdig, ob eine solche Arbeitsweise vertretbar ist. Deswegen wird der Ruf nach einer staatlichen Überprüfung solcher Agenturen zunehmend lauter. Welchen Einfluss eine Einschätzung durch Ratingagenturen haben kann, zeigt sich beispielsweise an der Debatte darüber, ob Griechenland finanziell unterstützt werden sollte oder nicht. Das Schicksal eines Landes und von Millionen seiner Einwohner wird auch durch Ratingagenturen mitentschieden. Verschärft wird dieses Problem dadurch, dass Ratingagenturen selbst gewinnorientiert sind.

Geschichte der Ratingagenturen

Die ersten Rating-Versuche fanden bereits um 1868 durch Henry Varnum Poor statt. Er beschäftigte sich im Zuge des Eisenbahnbaus in den USA mit den verschiedenen Unternehmen und überprüfte deren Kreditwürdigkeit für Investoren. 1909 erfolgte durch John Moody das erste systematische Ranking. In der Folge wurde das Rating auch auf andere Branchen ausgeweitet, sodass in den USA ab 1936 durch die Bankenaufsicht beschlossen wurde, dass Banken nur noch Emissionen und Forderungen mit einem Mindestranking aufnehmen durften. Damit war die externe Bewertung durch Dritte zur Pflicht geworden. Dass es weltweit mit Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch Ratings nur drei wirklich wichtige Ratingagenturen gibt, lässt sich darauf zurückführen, dass diese seit 1975 die einzigen Agenturen waren, deren Rating nach Beschluss der US-amerikanischen Börsenaufsicht Gültigkeit hatte. Ohne von zwei dieser Agenturen überprüft worden zu sein, wurde kein Unternehmen für den amerikanischen Kapitalmarkt zugelassen. In der Zwischenzeit ist diese Bestimmung jedoch aufgelockert und es gab seitens der EU in der Vergangenheit zahlreiche Bemühungen, auch europäische Ratingagenturen zu etablieren.

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